König Fußball regiert die Öffentlichkeit - Interesse der kroatischen Öffentlich
Samstag 08 Dezember 2007 23:17:10
Die schwebenden Grenzen des Realen und Irrealen
König Fußball regiert die Öffentlichkeit
Die erfolgreich beendete Qualifikationsrunde für die Fußball-EM hat die sich dahin schleppende Konstituierung des neuen Parlaments in den Hintergrund gedrängt. In Kroatien hört man: "Unsere Fußballhelden haben doch allen gezeigt, dass wir zu den Besten der Welt gehören". Man kommentiert die Gruppen und die Chancen für Kroatien in der EM - die Stunde der Experten schlägt. Man ist froh, dass das erste Match gegen den Gastgeber Österreich gespielt werden wird, und Teamchef Bilic verspricht in den Medien einen "Kampf bis zur letzten Runde".
In den kroatischen Medien zitiert man die Berichte aus den Ländern der Gruppe B, Österreich, Deutschland und Polen, und da in erster Linie die Angst der Gegner vor der starken kroatischen Fußballmannschaft. Über die Angst der Gastgeber vor den fanatischen kroatischen Fans redet man seltener. Angeblich werden 26.000 Kroaten - organisiert oder individuell - das Spiel an den dafür organisierten Orten verfolgen.
Da fällt ein Schuss
Wer denkt, dass jetzt, nach dem Fußball, die neue Regierung auf Platz zwei des öffentlichen Interesses in Kroatien rangiert, liegt falsch. Nach einer einjährigen Pause hat sich die Zagreber Unterwelt wieder gemeldet. Ein zu neun Jahren Haft verurteilter Krimineller wurde in Zagreb während eines Freigangs erschossen. Der Mann gehörte einer Gruppe an, der mehrere Verbrechen bis hin zum Mord angelastet werden.
Pikantes Detail am Rand: Der Ermordete war mit einer Journalistin des staatlichen kroatischen Fernsehens liiert. Es folgte eine breite Diskussion, ob ihre Liaison mit ihrer Arbeit kollidiert und man versucht sich zu erklären, wo die Grenzen des Privatlebens liegen. Ein Team, das für diese Zwecke gebildet wurde, soll jetzt überprüfen, inwieweit sich das Privatleben der Journalistin auf ihre Arbeit ausgewirkt hat.
Nur ein paar Tage nach dem Mord an dem angesehenen Mitglied des "Zagreber Milieus", wie man das so gern in den Medien nennt, wurde in einem Shoppingzentrum während des Überfalls ein Räuber von Sicherheitsleuten getötet und ein anderer schwer verletzt. Wie sehr die Grenzen zwischen dem Fiktiven und Realen verwischen, kann man an einem Musikvideo sehen, in dem der schwer verletzte Täter einen Mann mit Pistole spielt.
Das Spiel mit den verdrehten Werten ist damit nicht zu Ende. Die Familie des ermordeten Hafturlaubers hat eine bezahlte Todesanzeige in einer kroatischen Zeitung veröffentlicht, in der sie einen Journalisten, der sich mit dem "Krimimilieu" beschäftigt, für den Tod ihres Sohnes verantwortlich machen. Solche Anzeigen haben lebensgefährlichen Charakter, und das hat wieder eine Reihe von Diskussionen über Medienfreiheit initiiert.
In den Zeitungen wurde dann eine Chronologie der Mafia-ähnlichen Morde in Kroatien erstellt und, überraschend oder nicht, einer der Ermordeten war ein "Fußballmanager", der einen der bekanntesten kroatischen Fußballstars nach England vermittelt hat. So schließt sich der Kreis.
EM - noch einmal
An dem Mord entzündete sich eine neue Reihe von Vermutungen wegen des Schiebungsskandals, der vor einiger Zeit den europäischen Fußball erschüttert hat. Unter den Verdächtigen wurden in den deutschen Medien auch die Teams aus Kroatien benannt. Nun sind zur Freude aller Fußballfans in Kroatien diese Anzeigen gegen Kroaten wieder zurückgezogen worden und man kann sich auf die kommende EM freuen und vielleicht ein bisschen Raum für Politik lassen. Man braucht nämlich doch noch eine Regierung.
gefunden bei: http://oe1.orf.at/highlights/112956.html
Kommentare zu diesem Artikel
Schreibe jetzt einen weiteren Kommentar!


Croatia Highlights
Krka Wasserfälle
Stories Archiv
Feedback

