Kroaten stehen nun vor verschlossenen Türen
Mittwoch 26 Dezember 2007 09:52:46
Kroaten stehen nun vor verschlossenen Türen
Zagreb. Des einen Freud, des anderen Leid. Während sich 400 Millionen Bürger in 24 EU-Staaten über die neue grenzenlose Reisefreiheit freuen können, steht das EU-Beitrittswerberland Kroatien vor verschlossenen Türen. Besonders bitter ist dies für die Bewohner des Grenzgebiets zu Slowenien, wo es erst seit dem Zerfall Jugoslawiens im Jahr 1991 Grenzkontrollen gibt. Nun sind sie mit der neuen hermetisch abgeriegelten Schengen-Außengrenze konfrontiert.
Entsprechend kritisch fallen die kroatischen Pressekommentare zur Schengen-Erweiterung aus. Von einem "Eisernen Vorhang" schreibt die istrische Tageszeitung "Novi list". Das Schengen-Regime verbreite in Kroatien "Angst und Schrecken". An den Grenzen zu Slowenien werden lange Warteschlangen befürchtet, und vor allem für kroatische Gastarbeiter dürfte die Reise zu einer Tortur werden.
In Laibach versucht man die Befürchtungen der südlichen Nachbarn zu zerstreuen. "Ich kann garantieren, dass es zu keinen solchen Staus kommen wird", zitierte die Zagreber Tageszeitung "Jutarnji list" einen Polizeisprecher, der zu den stundenlangen Wartezeiten während des Urlauberrückreiseverkehrs Anfang September befragt wurde. 3092 slowenische Polizisten werden die 670 Kilometer lange Schengen-Außengrenze mit Kroatien sichern.
Noch härter als die Kroaten, die kein Visum für eine Einreise in die EU benötigen, trifft die Schengen-Erweiterung aber die Ukrainer, wo in den Grenzgebieten zu Polen viele Menschen vom Handel mit dem Nachbarland leben. Sie müssen nun 35 Euro für ein Visum zahlen.
Mehr Asylgesuche
Indes hat das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR in Polen in den Monaten vor dessen Beitritt zum Schengen-Raum eine steigende Zahl von Asylbewerbern registriert. Es habe heuer knapp 5000 neue Asylgesuche gegeben, von denen mehr als 70 Prozent seit Juni gestellt worden seien. Nach Ansicht von UNHCR glauben viele Asylsuchende, sie könnten sich, wenn sie erst einmal in Polen seien, im Schengen-Raum frei bewegen. Dies trifft aber nicht zu.
gefunden bei: http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3857&Alias=wzo&cob=318649
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