Rentner sind in Kroatien die Königsmacher in der neuen Regierung
Sonntag 28 Oktober 2007 15:11:39
Kroatische Partei der Pensionäre will sich dem Wahlsieger in Kroatien anschließen
Zagreb/dpa. Die Rentner in Kroatien sind für alle Politiker des Landes zur heiß umworbenen Wählergruppe aufgestiegen. Denn nach allen Meinungsumfragen werden sie die Königsmacher sein, wenn es im Dezember um die Bildung der neuen Regierung geht. Alle Prognosen sehen nämlich ihre Kroatische Rentnerpartei (HSU) bei der Parlamentswahl am 25. November mit 7,6 Prozent der Stimmen sicher auf dem dritten Platz. Da den regierenden Konservativen (HDZ) 32 Prozent und den oppositionellen Sozialdemokraten (SDP)30 Prozent vorausgesagt werden, dürften sie das Zünglein an der Waage werden. Und die Partei der Pensionäre hat selbstbewusst klargemacht, dass sie sich - völlig ideologiefrei - dem Wahlsieger anschließen wird.
Für seine Partei sei ausschließlich wichtig, dass die äußerst dürftigen Renten drastisch erhöht werden, sagt ihr Vorsitzender Vladimir Jordan. «Uns ist es ganz gleich, wir werden uns dem Gewinner anschließen», sagt der rüstige 66-Jährige - wenn die Bedingungen stimmen.
Der Politik-Analytiker Davor Gjenero bestätigt: «Sie werden wirklich die entscheidende Kraft bei der Zusammensetzung der neuen Regierung sein. ... Sie treiben die klassischen Parteien zur Verzweiflung! Sie sind zu teuer für jeden Staatshaushalt, schöpfen zu viel für den Konsum ab, sind aber politisch so mächtig, dass ihnen keiner etwas anhaben kann», beschreibt er die Probleme.
Zunächst einmal müsse der Staat die während des Bürgerkrieges (1991-1995) gestundeten Renten nachzahlen, lautet das Wahlprogramm der HSU. Das sind nicht weniger als 1,25 Milliarden Euro - eine Riesensumme für das kleine Land mit nur 4,4 Millionen Einwohnern. «Wir verlangen, dass die Renten in Zukunft 70 Prozent des Durchschnittsgehaltes in Kroatien ausmachen», nennt Parteichef Jordan ein weiteres Ziel.
«Unbezahlbar!», sind sich alle Wirtschaftsexperten einig. Denn heute beträgt das Durchschnittsgehalt 4500 Kuna (608 Euro), die Rente im Schnitt aber nur 2100 Kuna (283 Euro). Die Rentnerforderung würde den Staat rund zwei Milliarden Euro jährlich kosten.
Ohnehin ist der Staat bereits mit 32 Milliarden Euro verschuldet. Diese Riesenschulden müssen nur 1,2 Millionen Beschäftigte zurückzahlen, erklären die Statistiker. Ihnen stehen aber schon heute etwa eine Million Rentner gegenüber. Das sei das schlechteste Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentenempfängern in Europa. Vor diesem Hintergrund bringt der Wahlslogan der Rentnerpartei: «Wir sind Ihre Zukunft» manchen Politiker und Wirtschaftsfachmann zur Nachdenklichkeit.
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